Informationen zum neuen Orthobunyavirus

Seit Mitte Juli mehrten sich Berichte von deutlichem Milchrückgang (> 5 kg), Fieber und Durchfall bei einem erheblichen Anteil der Tiere in Milchviehbetrieben. Im Moment sind Ostfrankreich, die Schweiz (dort von Westen nach Osten fortschreitend), Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gesichert betroffen. Alle Untersuchungen auf bereits bekannte Krankheitserreger, die derartige Symptome hervorrufen (einschl. Schmallenberg-Virus), verliefen negativ.

Nun hat das Friedrich-Loeffler-Institut in Blutproben betroffener Rinder ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe nachgewiesen. Das am engsten verwandte bereits bekannte Virus ist das Shamonda-Virus, weshalb das neue Virus zunächst als „Shamonda-like Virus“ bezeichnet wird. Aus der gleichen Virusgruppe stammt das Schmallenberg-Virus (SBV), dass 2011 ebenfalls vom FLI identifiziert wurde und das sich nachfolgend in 2012 recht rasch in Europa verbreitet hat. Viren der Simbu-Serogruppe kommen vor allem in Afrika, Asien und Australien vor. Sie werden, ähnlich wie das Virus der Blauzungenkrankheit und das Schmallenberg-Virus, durch blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen. Infiziert werden überwiegend Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Neben den momentan beschriebenen akuten klinischen Erscheinungen ist bei Infektionen mit Viren dieser Gruppe auch mit Aborten, Totgeburten und schweren angeborenen Fehlbildungen zu rechnen. Beim TGD besteht die Möglichkeit  Aborte und missgebildete Kälber bis 50 kg zur Untersuchung abholen zu lassen (Anmeldung: 089 9091 260). Zum Verlauf der Infektion beim kleinen Wiederkäuer liegen noch keine gesicherten Berichte vor.

Es gibt keine Möglichkeit der Impfung und es kommt allenfalls eine symptomatische Therapie in Betracht (v. a. entzündungshemmende Medikamente).

Da die Gnitzensaison erfahrungsgemäß im Moment auf ihrem Höhepunkt sein dürfte, muss mit einer raschen Ausbreitung der Infektionen gerechnet werden. Das FLI arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung einer spezifischen Diagnostik. Der Tiergesundheitsdienst Bayern ist dabei eine PCR nach FLI-Protokoll zum Nachweis von Viren der Simbu-Serogruppe zu etablieren. Da es aus allen bislang untersuchten Proben keinen Hinweis auf momentan zirkulierendes SBV gibt, kann im positiven Fall mit hoher Sicherheit von einer Infektion mit den Shamonda-like Virus ausgegangen werden. Bis diese Methode etabliert ist, werden etwaige Proben aus Verdachtsbeständen nach Ausschluss anderer Erreger an das FLI weitergeleitet. Geeignete Probenmaterialien sind EDTA Blut und Serum, bitte große gut befüllte Monovetten einsenden.

Der TGD unterstützt gerne bei der Untersuchung und Probennahme in Problembetrieben. Wenden Sie sich bei Fragen bitte an den RGD in Grub (089 90 91 260; rgd-stw@tgd-bayern.de) oder an Ihre regionale TGD Geschäftsstelle.

Proben können zudem bei allen TGD-Geschäftsstellen abgegeben werden. Die Proben werden dann Mo - Do (Ausnahme Deggendorf: Di und Do, Abgabe bis 12:00 Uhr) über Nacht nach Grub gebracht. Bitte Abgabe bis etwa 14:00 Uhr für Transport am gleichen Tag.

In Grub können Proben auch außerhalb der Geschäftszeiten jederzeit abgegeben werden.

Bei größeren Einsendemengen können Sie uns gerne auf die Möglichkeit einer Abholung der Proben ansprechen: Telefon: 089 9091 888

 

Stand: 04.08.2026