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Kompe­tenz und Erfah­rung in Tier­gesund­heit und Lebens­mittel­sicher­heit

Aktuelle Tierkrankheiten

Salmonellen in Futtermitteln - Informationen für betroffene Landwirte

Datum: 18.1.2018   Autor: TGD Bayern e.V.

Am 22. Dezember hat die US-amerikanische Firma Archer Daniels Midland Company (ADM Spyck GmbH) in einer Pressemeldung vor möglicherweise mit Salmonellen kontaminiertem Viehfutter aus ihrem Werk in Straubing gewarnt. Zwischen 13. November und 15. Dezember waren mehrere Proben positiv auf Salmonellen getestet worden. Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) handelt es sich um Extraktionsschrot aus gentechnikfreien Sojabohnen, die in Bayern, Österreich, Ungarn und anderen Staaten des Donauraums angebaut worden sind.
Hier finden sich Informationen zu Reinigung und Desinfektion für betroffene Landwirte.

Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen für landwirtschaftliche Lager- und Fütterungseinrichtungen, die mit möglicherweise Salmonellen-belastetem Futtermittel in Kontakt gekommen sind.

Lagereinrichtungen (Silos)

Silos sind vor einer Neubefüllung vollständig zu entleeren. Danach ist eine gründliche Trockenreinigung durchzuführen. Mit einem (Vakuum-) Staubsauger kann die Staubbildung möglichst gering gehalten werden.

Trevira Silos abklopfen und von unten aussaugen.

Die Verwendung von Druckluft- oder Nassreinigern (auch Hochdruckreinigern) sollte vermieden werden, da sich Salmonellen in feuchtem Milieu optimal vermehren bzw. durch Druckluft und feinste Sprühpartikel in Lager- und Fütterungseinrichtungen verteilt werden können. Aus diesem Grund sollten Silos auch nicht ausgeblasen werden.

Glatte Flächen können maximal feucht (nicht nass) gewischt werden. Feuchte Flächen vor der Desinfektion abtrocknen lassen.

Nach der Reinigung wird ein bakterizides Desinfektionsmittel unter Beachtung der Konzentration und Einwirkzeit des jeweiligen Präparates auf die gereinigten Flächen aufgetragen.

Desinfektionsmittel

Geeignete Präparate (s. nachfolgende Liste) zur Desinfektion von Futtermittellagern und Silos können aus der Desinfektionsmittelliste der DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft) für den Tierhaltungsbereich entnommen werden. Zudem gibt es die Möglichkeit der Desinfektion mit sogenannten Trockenaerosol-Raucherzeugern, z. B. für Trevira Silos.

Liste mit geeigneten Desinfektionsmitteln zur Desinfektion von Futtermittellagern und Silos

Flüssige Desinfektionsmitteln können z.B. mit einer Rückenspritze, Weisselspritze oder einem Vernebelungsgerät versprüht werden. Vor dem erneuten Befüllen muss das Silo abgetrocknet sein.

Bei der Wahl des Desinfektionsmittels ist auf das Wirkspektrum (gegen Salmonellen oder allgemeine Bakterizide – Spezielle Desinfektion), bei niedrigen Temperaturen auf einen geringen Kältefehler und auf die Unbedenklichkeit der Desinfektionsmittelreste und deren Abbauprodukte im Futtermittel zu achten.
Einen besonders geringen Kältefehler weisen Mittel auf Basis von Peressigsäure oder Wasserstoffperoxid auf. Auch organische Säuren und alkoholische Präparate zeigen einen geringen Kältefehler, sind also i.d.R. auch bei Temperaturen unter 10°C einsetzbar. Auf eine bei niedrigen Temperaturen erforderliche Erhöhung der Wirkstoffkonzentration in der Gebrauchslösung ist zu achten.

Peressigsäure, Wasserstoffperoxid bzw. deren Abbauprodukte sind bei korrekter Anwendung im Futtermittel als unbedenklich einzustufen. Dies gilt auch für einige andere Desinfektionsmittel. Zur Sicherheit sollte man sich in jedem Fall vor der Anwendung eines Präparates vom Hersteller bestätigen lassen, dass diese Desinfektionsmittel für die Verwendung im Futtermittelbereich geeignet ist (registriert als Biozid der Produktart 4).

Auf die notwendige Beachtung der Korrosionseigenschaften des Präparates, mögliche Hitzeentwicklung (mit Brandgefahr) und andere Gefahren, sowie den persönlichen Schutz der Anwender ist zu achten. Diesbezüglich wird auf die Sicherheitsdatenblätter und die Produktinformationen zu den jeweiligen Desinfektionsmitteln verwiesen. Für eine sichere und erfolgreiche Anwendung von Desinfektionsmitteln sind die Vorgaben der Hersteller zu beachten.

Fütterungseinrichtungen (inkl. Rohrleitungen)

Trockenes Futter

Die Verwendung von angesäuerten Futterspülchargen ist zu empfehlen. Insbesondere an schwer zugänglichen Stellen von Rohrleitungen können betroffene Futtermittelreste über längere Zeit anhaften, sodass eine Überspülung mit saurem Futter zusätzliche Sicherheit bietet. Spülchargen sollten verworfen werden.

Flüssigfütterung

Bei Flüssigfütterungen sind die Anlagen mit Wasser zu spülen und mit Säuren oder speziellen Desinfektionsmitteln zu desinfizieren. Zur Absicherung ob die Mittel die Anlage nicht beschädigen, sollte eine Absprache mit dem Anlagenhersteller erfolgen.
Bei Ring-Rohrleitungen sind diese Maßnahmen auch während die Abteile mit Tieren belegt sind möglich. Bei Anlagen mit Stich-Rohrleitungen können die Maßnahmen erst nach Ausstallung der Masttiere durchgeführt werden, da das Futter nur in das Abteil zu den Trögen hineingepumpt werden kann. Das Spülwasser darf nicht in den Futterkreislauf gelangen.

Dokumentation durch den Landwirt

Die Dokumentation dient dem Landwirt als Beleg einer ordnungsgemäß durchgeführten Reinigung und Desinfektion. Sie muss Angaben enthalten über:
- Lager- und Fütterungseinrichtungen, die sind gereinigt und desinfiziert wurden (z.B. Silo, Rohrleitung).
- Desinfektionsmittel, die verwendet wurden (Lieferschein, Rechnung, Datenblatt aufbewahren).
- Konzentration und Einwirkungszeit des angewendeten Desinfektionsmittels beim Behandeln von Oberflächen.
- Beim Spülen von z. B. Rohrleitungen die Futtermenge (kg), Konzentration ggf. angewendeter Säure (%) und Einwirkzeit (min).


Informationen sind erhältlich bei
LfL, Institut für Tierernährung, Tel. 089/99141-401
Tiergesundheitsdienst Bayern e.V., Tel. 089/9091-0
Regierung von Oberbayern, Sachgebiet 56 (Futtermittelüberwachung), Tel. 089/2176-2783


Diese Informationen wurde von einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe unter Leitung des Bayer. Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (STMUV) zusammengestellt, unter Mitarbeit von:

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Die Schweinepest rückt näher

Datum: 28.08.2017   Autor: Dr. A. Rostalski

Die Afrikanische Schweinepest ist jetzt erstmals in Tschechien aufgetreten. Wie erst ist die Lage und was lässt sich tun? Dr. Rostalski vom Schweinegesundheitsdienst gibt Antwort im Interview der Südplus im top agrar Spezial für Bayern und Baden-Württemberg (Heft 5, Sept 2017)

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Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals in Tschechien nachgewiesen!

Datum: 10.07.2017   Autor: Dr. A. Rostalski

In der letzten Juni-Woche wurde bekannt, dass in der Region um Zlίn, ca. 300 km südöstlich von Prag, mehrere Fälle von ASP bei Wildschweinen aufgetreten sind. Mittlerweile wurden die Fallzahlen laut WAHIS Interface-Plattform der OIE auf 10 hochgesetzt. Das Virus wurde bei bereits verendeten Tieren nachgewiesen. Damit ist der Erreger maximal 300 km Luftlinie von der deutschen sowie nur noch 80 km von der österreichischen Grenze entfernt. Im sogenannten „Weinviertel“ nördlich von Wien wurde vom Gesundheitsministerium daher ein „gefährdetes Gebiet“ eingerichtet, bei dem vor allem Freilandhaltungen Einschränkungen unterworfen sind.

Unklar ist bislang die Ansteckungsquelle der Tiere. Der geographisch nächstgelegene dokumentierte Ausbruch liegt ca. 400 km entfernt in der Ukraine. Nach Angaben des FLI betrug die durchschnittliche Wandergeschwindigkeit des Virus in der EU bis dato nur etwa 1 km pro Monat. Größere Distanzen werden nur dann in kurzer Zeit überwunden, wenn kontaminiertes Material von motorisierten Personen transportiert wird.

Mit den ersten Meldungen von Ausbrüchen der ASP bei Wildschweinen im Spätwinter und Frühjahr 2014 entlang der weißrussischen Grenze Polens und Litauens setzte die berechtigte Besorgnis ein, dass sich die ASP über Wildschweine und dem internationalen Transitverkehr wie ein Lauffeuer innerhalb der EU verbreiten könnte. Es ist eher Glück, dass dies bislang ausgeblieben ist. Seither hat es sehr viele Ausbrüche im Baltikum gegeben (bis Ende Februar 2016 weit über 2000), und dabei war nicht nur die Wildschweinepopulation involviert, sondern auch zahlreiche Hausschweinehaltungen. In Litauen war u.a. auch eine Großanlage mit 20000 Tieren betroffen. Konnten die Ausbrüche bei Hausschweinen unter Anwendung der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen bislang problemlos getilgt werden, so gestaltet sich die Seuchenbekämpfung bei Wildschweinen als ausgesprochen schwierig.
Zwischenzeitlich hatte sich das Seuchengeschehen aber auch in Polen erkennbar von der östlichen Landesgrenze in die Landesmitte verlagert. Bis Anfang September 2016 wurden hier 17 neue Fälle bei Hausschweinehaltungen registriert, die wohl allesamt auf illegalen Handel mit Absetzferkeln zurückzuführen sind. Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die in Osteuropa zur Selbstversorgung üblichen zahllosen Hinterhof-Haltungen von Hausschweinen und der durch politische Unruhen bedingten Untätigkeit der Nachbarländer Weißrussland und der Ukraine. In Polen werden den Kleinstbetrieben mittlerweile Abschlachtprämien bezahlt, um die Infektionsketten nachhaltiger zu unterbinden. Ansonsten werden in den betroffenen Gebieten die einschlägigen Vorgaben des Gemeinschaftsrechts zur Bekämpfung der ASP bei Haus- und Wildschweinen umgesetzt und die Restriktionsgebiete der aktuellen epidemiologischen Lage angepasst. Die Verbesserung der Biosicherheit in Schweinebeständen ist das erklärte Ziel aller betroffenen Länder.


Der Erreger
Die Symptome einer Infektion mit ASP sind von denen der Klassischen bzw. Europäischen Schweinepest (KSP bzw. ESP) nicht zu unterscheiden, obwohl es ganz verschiedene Viren sind. Daher ist der für akute KSP-Ausbrüche in Europa vorgesehene Impfstoff gegen die ASP auch völlig unwirksam. Aufgrund der komplexen Struktureigenschaften des ASP-Virus ist es bislang nicht gelungen, eine wirksame Vakzine gegen diesen Erreger herzustellen.
Das Virus ist durch eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen gekennzeichnet. Weder Sonnenlicht noch Fäulnisprozesse führen zu einer sicheren Inaktivierung, daher können Überreste von Fallwild auch noch nach Monaten infektionsfähiges Erregermaterial enthalten. Gleiches gilt für Blut, Fleisch und Rohwurst wie Salami. In Gefrierfleisch können vermehrungsfähige Viren sogar über Jahre persistieren. Erst das Erhitzen von Fleischprodukten auf Kerntemperaturen von bis zu 70°C tötet das Virus sicher ab. Bei der Desinfektion ist zu beachten, dass der Erreger im pH-Bereich von 3,0-13,4 stabil ist, sodass auf Säuren ohne Eiweißfehler zurückgegriffen werden muss (z.B. Ameisen- oder Peressigsäure).
Das ASP-Virus befällt nur Schweine, andere Haustiere und der Mensch sind nicht gefährdet. Als natürliches Reservoir gelten afrikanische Warzenschweine, die i.d.R. keinerlei Krankheitssymptomatik zeigen. Als Besonderheit ist die Übertragung des Erregers durch bestimmte Zeckenarten der Gattung Ornithodorus als Zwischenwirte zu erwähnen. Diese Verbreitungsart ist für einige Regionen Afrikas und die iberische Halbinsel belegt. Das ASP-Virus wird beim Akt des Blutsaugens aufgenommen und abgegeben. Da Zecken Hungerkünstler sind, kann lebendes Virus noch nach 5 Jahren Persistenz in der Zecke weitergegeben werden.


Die Erkrankung
Ansteckungsgefährdet sind Schweine aller Altersgruppen. Die Infektion erfolgt meist oral über direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder infektiösem Material. Ist der Erreger während der Virämie im Blut eines erkrankten Tieres, kann die Übertragung auch durch die blutsaugenden Zecken, aber z.B. auch durch Kanülen während einer Injektion auf ein gesundes Schwein erfolgen.
Infizierte Tiere zeigen nach ein paar Tagen sehr hohes Fieber (bis 42°C), Mattigkeit und Fressunlust, tragende Sauen können abortieren. Die äußere Haut und die Schleimhäute sowie die inneren Organe können Blutunterlaufen sein. Der Tod tritt meist binnen 14 Tagen ein, es kann aber auch zum perakuten Versterben kommen. Die Tiere bilden keinen Schutz gegen den Erreger über neutralisierende Antikörper aus.
Beobachtungen infizierter Hausschweinebestände in Lettland deuten auf eine relativ geringe Kontagiosität der ASP im Vergleich zu anderen Tierseuchen hin. Aufgrund der Möglichkeit der Aerosolübertragungen bei KSP und MKS durchseuchen zusammen gehaltene Tiere in einem Stall normalerweise sehr schnell. In Lettland kam es aber unter 28 ASP-Primärausbrüchen nur zu 4 Sekundärausbrüchen, d.h. der Übertragung des Virus aus einem erkrankten Betrieb durch Tierverkehr auf einen gesunden. Offenbar wird ASP erst dann hochansteckend, wenn Blut als Matrix vorhanden ist. In einem infizierten Bestand können Tiere sehr lange klinisch gesund bleiben, wenn sie keinen direkten Kontakt zum Blut erkrankter oder verendeter Tiere hatten. Auch wenn die Erkrankungsrate (Mortalität) somit relativ niedrig anzusetzen ist, ist die Sterblichkeit (Letalität) bei ASP sehr hoch, da praktisch jedes Tier an den Folgen der Infektion stirbt.


Folgen für die Bekämpfung
Die üblichen tierseuchenrechtlichen Maßnahmen, bestehend aus Standstill, Keulung seuchen- und ansteckungsverdächtiger Betriebe sowie Restriktionszonen, haben ihre Effizienz bewiesen, was die ASP-Bekämpfung bei Hausschweinen angeht.
Das eigentliche Problem stellen die als Erregerreservoir dienenden Wildschweine dar. In Polen wurde eine deutliche Korrelation zwischen dem regionalen Auftreten der Seuche und der lokalen Wildschweinedichte festgestellt. Dort, wo viele Wildschweine sind, ist natürlich das Infektionsrisiko untereinander sehr hoch einzuschätzen. Da die Kadaver sehr lange infektiös bleiben, haben die Aasfresser vermutlich auch genügend Zeit, um sich anzustecken. In Polen und im Baltikum hat sich zudem eine Kumulation von Ausbrüchen bei Hausschweinen gezeigt, wenn parallel in der Umgebung bereits infizierte Wildschweine gefunden worden waren.
Das Seuchengeschehen im Nordosten Europas unterstreicht die Wichtigkeit einer guten Biosicherheit für Hausschweinehaltungen. Der Schutz der gesamten Anlage inklusive der Futterlager vor dem Betreten durch Wildschweine sollte das primäre Ziel sein, genau wie eine strikte Trennung der Schwarz-Weiß-Bereiche durch Schuh- und Kleidungswechsel. Jagende Landwirte oder Waldbesitzer sollten immer an die Möglichkeit denken, dass sie draußen auch unbewusst Kontakt zu infektiösem Schweiß oder Fallwild haben könnten. Somit sollten alle Jagd- oder Arbeitsutensilien vom Schweinebestand ferngehalten und Aufbrüche, entgegen sonstiger Gewohnheiten, unschädlich entsorgt werden.
Seit den ersten Ausbrüchen 2014 informieren BMEL und FLI regelmäßig entlang der östlichen Landesgrenze mittels mehrsprachiger Plakate alle Reisenden über die Risiken der Einschleppung von ASP. Zudem gab es Schulungen für Vieh- und Fleischtransporteure zur Reinigung und Desinfektion der Fahrzeuge sowie Appelle an die Saisonarbeiter, Speisereste ordnungsgemäß zu entsorgen. Diese Maßnahmen müssen dringend weiter geführt werden, denn am Beispiel der Seuchenentwicklung in Polen ist erkennbar, wie schnell der Erreger aus dem Überwachungsgebiet hinausschlüpfen kann.
Das BMEL strebt außerdem den Aufbau eines Monitorings zur Früherkennung der ASP bei Wildschweinen an (Schweinepest-Monitoring-Verordnung), in dessen Rahmen verendete Wildschweine oder klinisch bzw. pathologisch-anatomisch auffällige Tiere auf ASP und KSP beprobt werden sollen.

Dr. Anja Rostalski
Fachabteilung Schweinegesundheitsdienst
TGD Bayern e.V.



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