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Wiederauftreten von Schmallenberg-Virus bedingten Missbildungen bei Kälbern in Bayern 2016

Datum: 16.12.2016   Autor: Dr. I. Lorenz

Schmallenberg-Virus (SBV) trat 2011 erstmals im deutsch-niederländischen Grenzgebiet auf und verbreitete sich rasch über weite Bereiche von Zentral- und Westeuropa. Im Gegensatz zum restlichen Bundesgebiet war Bayern von dieser ersten Infektionswelle in Sommer und Herbst 2011 kaum betroffen. Allerdings mehrten sich hier die Virusnachweise in Sommer und Herbst 2012, während zu dem Zeitpunkt das Geschehen, vermutlich aufgrund weitgehender Durchseuchung der Wiederkäuerbestände, in anderen Teilen Deutschlands bereits abgeflaut war.
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SBV Serologie in Milch 2015 Ergebnisse von milchserologischen Untersuchungen auf SBV im Herbst 2015 (grün: alle Erstkalbenden negativ; rot: die Mehrzahl der Erstkalbenden positiv; gelb: fragliche Befunde )

Darauf folgend traten im Jahr 2013 im Sektionsmaterial des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V. (TGD) aus allen Bereichen des Freistaates vermehrt Kälber mit klassischen SBV bedingten Missbildungen und positivem Virusnachweis auf. In den Jahren 2014 und 2015 wurden keine SBV positiven Kälber im Untersuchungsmaterial des TGD gefunden, was dafür spricht, dass die bayerischen Rinderbestände 2012 weitgehend durchseuchten, und daher alle trächtigen Rinder durch Antikörper gegen das Virus vor Neuinfektionen geschützt waren. Wie sich nun zeigt ist das Schmallenberg-Virus allerding nicht aus der Rinderpopulation verschwunden. Bereits im Sommer 2015 fanden sich in serologischen Untersuchungen in Milchproben vereinzelt positive Befunde bei erstlaktierenden Kühen im südbayerischen Raum, sowie Virusnachweise in Blutproben von Exporttieren.

Schmallenberg positive Kälber in 2016 Geographische Verteilung der SBV positiven Kälber im Untersuchungsmaterial des TGD im Jahr 2016

Wie bereits vom TGD in der landwirtschaftlichen Presse prognostiziert, mehrten sich daraufhin in der ersten Hälfte des Jahres 2016 auch wieder die Anlieferung von klassischen SBV bedingt missgebildeten Kälbern zur Sektion beim TGD, allerdings war auch hier nur der südbayerische Raum betroffen. Bei SBV handelt es sich um ein Virus, das bis zum ersten Nachweis durch das Friedrich-Loeffler-Institut im November 2011 unbekannt war. Das Virus (Familie Bunyaviridae, Genus Orthobunyavirus) ist verwandt zu bekannten Erregern der Gruppen von Akabane-, Aino- und Shamondaviren, die in Amerika, Afrika, Asien und Australien vorkommen. Die Übertragung des Virus erfolgt hauptsächlich über Gnitzen (blutsaugende Mücken).
Akute Infektionen treten besonders während der Vektor-aktiven Zeit (April bis November) auf. Diese verlaufen beim Rind oft symptomlos oder mit nur milden Symptomen wie Fieber, Durchfall oder Milchrückgang. Kommt es im empfindlichen Stadium der Trächtigkeit zur Infektion (beim Rind etwa während des 75. bis 175. Trächtigkeitstages), kann das Virus den Fetus infizieren und zu schweren Missbildungen der Wirbelsäule, der Gliedmaßen und des Gehirns führen. Darüber hinaus kann es auch zum Umrindern, zu Aborten und mumifizierten Feten oder zu Tot- und Frühgeburten kommen.