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Erneutes Auftreten von Blauzunge in Frankreich und Südosteuropa - eine Bedrohung für Bayerns Tiere?

Datum: 02.01.2016   Autor: Dr. U. Domes

Die Blauzungenkrankheit, welche in den Jahren 2006 bis 2009 in Deutschland grassierte (hier Serotyp BTV 8), war für viele Tierhalter eine schlimme Erfahrung und alle waren erleichtert, als Deutschland sich im Jahr 2012 wieder frei von Blauzungenkrankheit erklärte. Doch seit April 2014 tritt ein neuer Serotyp (BTV 4) der Blauzungenkrankheit bei Schafen, Ziegen und Rindern in Griechenland auf. Dieser breitet sich schnell nach Nordwesten aus und hat inzwischen Kroatien und Ungarn erreicht. Seit dem 11. September 2015 ist auch der Serotyp BTV 8 wieder in Frankreich aufgetreten (Abb. 1, 2).


Abb. 2: Blauzungenvirusausbrüche bei Rindern seit Januar 2015 (Stand 23.11.15, www.oie.int)

Um diese Problematik zu erörtern, hat der Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. am 06.08.2015 Vertreter von verschiedenen Institutionen und Verbänden zu einem Fachgespräch eingeladen.Anwesend waren Dr. E. Andiel und Dr. R. Meier (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz), D. Tewes (Bayerische Tierseuchenkasse), K. Tautenhahn (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, LfL), W. Zindath (Bayerische Herdbuch-Gesellschaft für Schafzucht e.V.), R. Gomringer und A. Wimbauer (Landes-verband Bayerischer Schafhalter e.V.), Dr. Ch. Benesch (GEH Seuchenprojekt), Dr. A. Schade (Merial GmbH), Dr. B. Bauer, Dr. J. Böttcher und Dr. U. Domes (Tiergesundheits-dienst Bayern e.V.). Entschuldigt hatten sich Vertreter vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Es wurde über das aktuelle Risiko der Verschleppung des neuen Serotyps BTV 4 über Österreich nach Bayern gesprochen. Der frühere Serotyp in Deutschland war BTV 8, eine Kreuzimmunität zu dem neuen Virus besteht nicht. Die alten Impfantikörper können zwar jahrelang bestehen, aber viele von den damals geimpften Tieren sind nicht mehr in den Beständen. Laut der Risikobewertung vom Friedrich-Loeffler-Institut am 03.07.15 ist das Eintragungsrisiko nach Deutschland über lebende Vektoren (Gnitzen) wahrscheinlich bis hoch, eine hohe Impfabdeckung ist gegebenfalls nötig.

Im Moment ist in Deutschland die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit verboten, da das Land BTV frei ist. Jedoch kann dies im Fall des Vorschreitens der Krankheit zügig geändert werden. In Österreich ist aktuell die Blauzungenimpfung mit Zustimmung der zuständigen Veterinärbehörde erlaubt. Dort wird ggf. der monovalente Impfstoff gegen BTV-4 der Fa. CZ Veterinaria verwendet. In Ungarn soll im 20km-Radius um ein Ausbruchsgeschehen verpflichtend geimpft werden, im restlichen Bereich ist die Impfung freiwillig. Im Frühjahr 2015 wurden in Kroatien die meisten Rinder, Schafe und Ziegen geimpft (69-79%).

In Deutschland ist der Impfstoff BTVPUR AlSap 2-4 der Fa. Merial zugelassen, jedoch ist dieser im Moment nicht verfügbar. In diesem Zusammenhang weist Fr. Dr. Schade darauf hin, dass für die Planung der Impfstoffherstellung die ungefähre Anzahl der zu impfenden Tiere, hilfreich ist. Die Repräsentanten der Schafzuchtverbände gehen davon aus, dass die Schafhalter und –züchter die Durchführung der Impfung veranlassen werden, sobald die Krankheit vor der Tür steht, insbesondere dann, wenn die Krankheit in Beständen von Berufskollegen nachgewiesen worden ist.

Es ist geplant, auf den Herbst- und Winterversammlungen die anwesenden Tierhalter über ihre Impfbereitschaft abzufragen. Die Schäfer sind gut vernetzt und Informationen werden schnell ausgetauscht.

Das BMEL hat mit Schreiben vom 27.08.2015 den Ländern den Entwurf der „Fünften Verordnung zur Änderung tierseuchenrechtlicher Verordnungen“ übermittelt. Die derzeitige Regelung in § 4 Absatz 1 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung ist im Vergleich zum EG-Recht zu restriktiv gefasst, da danach eine Impfung nur möglich ist, im Falle eines Ausbruches oder aber wenn die Blauzungenkrankheit in einer Entfernung von mindestens 150 km von der DEU-Grenze in einem Mitgliedstaat oder einem Drittland festgestellt worden ist. Um vor dem Hintergrund der gegebenen Bedrohung (BTV4 grassiert auf dem Balkan) die Möglichkeit der Impfung zu eröffnen, ist beabsichtigt, die nationalen Vorschriften an das im Jahr 2012 liberalisierte EG-Recht (Änderung der Richtlinie 2000/75/EG durch die Richtlinie2012/5/EG) in Kürze anzupassen.

Der „Runde Tisch“ mit Vertretern aus den verschiedenen Bereichen war sehr produktiv, um im Falle eines voranschreitenden Seuchengeschehens die erforderlichen Maßnahmen zum Wohle der Tiergesundheit schnell ergreifen zu können.

Die Blauzungenkrankheit äußert sich unter anderem durch Fieber, Schwellungen der Maulschleimhaut, Speicheln und Lahmheiten, eine blaue Zungenfärbung ist selten. Es handelt sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, das heißt, der Landwirt muss schon einen Krankheitsverdacht der zuständigen Behörde mitteilen.

Der Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. steht mit seinen Fachtierärzten dem Landwirt bei Fragen oder Verdachtsfällen gerne zur Seite. Die Kontaktdaten der jeweiligen Geschäftsstellen entnehmen Sie bitte hier oder telefonisch durch die Zentrale in Grub 089-9091-0.

Deutschsprachige Informationen über Blauzungenkrankheit finden Sie hier