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Kompe­tenz und Erfah­rung in Tier­gesund­heit und Lebens­mittel­sicher­heit

Aktuelle Tierkrankheiten

Die Schweinepest rückt näher

Datum: 28.08.2017   Autor: Dr. A. Rostalski

Die Afrikanische Schweinepest ist jetzt erstmals in Tschechien aufgetreten. Wie erst ist die Lage und was lässt sich tun? Dr. Rostalski vom Schweinegesundheitsdienst gibt Antwort im Interview der Südplus im top agrar Spezial für Bayern und Baden-Württemberg (Heft 5, Sept 2017)

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Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals in Tschechien nachgewiesen!

Datum: 10.07.2017   Autor: Dr. A. Rostalski

In der letzten Juni-Woche wurde bekannt, dass in der Region um Zlίn, ca. 300 km südöstlich von Prag, mehrere Fälle von ASP bei Wildschweinen aufgetreten sind. Mittlerweile wurden die Fallzahlen laut WAHIS Interface-Plattform der OIE auf 10 hochgesetzt. Das Virus wurde bei bereits verendeten Tieren nachgewiesen. Damit ist der Erreger maximal 300 km Luftlinie von der deutschen sowie nur noch 80 km von der österreichischen Grenze entfernt. Im sogenannten „Weinviertel“ nördlich von Wien wurde vom Gesundheitsministerium daher ein „gefährdetes Gebiet“ eingerichtet, bei dem vor allem Freilandhaltungen Einschränkungen unterworfen sind.

Unklar ist bislang die Ansteckungsquelle der Tiere. Der geographisch nächstgelegene dokumentierte Ausbruch liegt ca. 400 km entfernt in der Ukraine. Nach Angaben des FLI betrug die durchschnittliche Wandergeschwindigkeit des Virus in der EU bis dato nur etwa 1 km pro Monat. Größere Distanzen werden nur dann in kurzer Zeit überwunden, wenn kontaminiertes Material von motorisierten Personen transportiert wird.

Mit den ersten Meldungen von Ausbrüchen der ASP bei Wildschweinen im Spätwinter und Frühjahr 2014 entlang der weißrussischen Grenze Polens und Litauens setzte die berechtigte Besorgnis ein, dass sich die ASP über Wildschweine und dem internationalen Transitverkehr wie ein Lauffeuer innerhalb der EU verbreiten könnte. Es ist eher Glück, dass dies bislang ausgeblieben ist. Seither hat es sehr viele Ausbrüche im Baltikum gegeben (bis Ende Februar 2016 weit über 2000), und dabei war nicht nur die Wildschweinepopulation involviert, sondern auch zahlreiche Hausschweinehaltungen. In Litauen war u.a. auch eine Großanlage mit 20000 Tieren betroffen. Konnten die Ausbrüche bei Hausschweinen unter Anwendung der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen bislang problemlos getilgt werden, so gestaltet sich die Seuchenbekämpfung bei Wildschweinen als ausgesprochen schwierig.
Zwischenzeitlich hatte sich das Seuchengeschehen aber auch in Polen erkennbar von der östlichen Landesgrenze in die Landesmitte verlagert. Bis Anfang September 2016 wurden hier 17 neue Fälle bei Hausschweinehaltungen registriert, die wohl allesamt auf illegalen Handel mit Absetzferkeln zurückzuführen sind. Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die in Osteuropa zur Selbstversorgung üblichen zahllosen Hinterhof-Haltungen von Hausschweinen und der durch politische Unruhen bedingten Untätigkeit der Nachbarländer Weißrussland und der Ukraine. In Polen werden den Kleinstbetrieben mittlerweile Abschlachtprämien bezahlt, um die Infektionsketten nachhaltiger zu unterbinden. Ansonsten werden in den betroffenen Gebieten die einschlägigen Vorgaben des Gemeinschaftsrechts zur Bekämpfung der ASP bei Haus- und Wildschweinen umgesetzt und die Restriktionsgebiete der aktuellen epidemiologischen Lage angepasst. Die Verbesserung der Biosicherheit in Schweinebeständen ist das erklärte Ziel aller betroffenen Länder.


Der Erreger
Die Symptome einer Infektion mit ASP sind von denen der Klassischen bzw. Europäischen Schweinepest (KSP bzw. ESP) nicht zu unterscheiden, obwohl es ganz verschiedene Viren sind. Daher ist der für akute KSP-Ausbrüche in Europa vorgesehene Impfstoff gegen die ASP auch völlig unwirksam. Aufgrund der komplexen Struktureigenschaften des ASP-Virus ist es bislang nicht gelungen, eine wirksame Vakzine gegen diesen Erreger herzustellen.
Das Virus ist durch eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen gekennzeichnet. Weder Sonnenlicht noch Fäulnisprozesse führen zu einer sicheren Inaktivierung, daher können Überreste von Fallwild auch noch nach Monaten infektionsfähiges Erregermaterial enthalten. Gleiches gilt für Blut, Fleisch und Rohwurst wie Salami. In Gefrierfleisch können vermehrungsfähige Viren sogar über Jahre persistieren. Erst das Erhitzen von Fleischprodukten auf Kerntemperaturen von bis zu 70°C tötet das Virus sicher ab. Bei der Desinfektion ist zu beachten, dass der Erreger im pH-Bereich von 3,0-13,4 stabil ist, sodass auf Säuren ohne Eiweißfehler zurückgegriffen werden muss (z.B. Ameisen- oder Peressigsäure).
Das ASP-Virus befällt nur Schweine, andere Haustiere und der Mensch sind nicht gefährdet. Als natürliches Reservoir gelten afrikanische Warzenschweine, die i.d.R. keinerlei Krankheitssymptomatik zeigen. Als Besonderheit ist die Übertragung des Erregers durch bestimmte Zeckenarten der Gattung Ornithodorus als Zwischenwirte zu erwähnen. Diese Verbreitungsart ist für einige Regionen Afrikas und die iberische Halbinsel belegt. Das ASP-Virus wird beim Akt des Blutsaugens aufgenommen und abgegeben. Da Zecken Hungerkünstler sind, kann lebendes Virus noch nach 5 Jahren Persistenz in der Zecke weitergegeben werden.


Die Erkrankung
Ansteckungsgefährdet sind Schweine aller Altersgruppen. Die Infektion erfolgt meist oral über direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder infektiösem Material. Ist der Erreger während der Virämie im Blut eines erkrankten Tieres, kann die Übertragung auch durch die blutsaugenden Zecken, aber z.B. auch durch Kanülen während einer Injektion auf ein gesundes Schwein erfolgen.
Infizierte Tiere zeigen nach ein paar Tagen sehr hohes Fieber (bis 42°C), Mattigkeit und Fressunlust, tragende Sauen können abortieren. Die äußere Haut und die Schleimhäute sowie die inneren Organe können Blutunterlaufen sein. Der Tod tritt meist binnen 14 Tagen ein, es kann aber auch zum perakuten Versterben kommen. Die Tiere bilden keinen Schutz gegen den Erreger über neutralisierende Antikörper aus.
Beobachtungen infizierter Hausschweinebestände in Lettland deuten auf eine relativ geringe Kontagiosität der ASP im Vergleich zu anderen Tierseuchen hin. Aufgrund der Möglichkeit der Aerosolübertragungen bei KSP und MKS durchseuchen zusammen gehaltene Tiere in einem Stall normalerweise sehr schnell. In Lettland kam es aber unter 28 ASP-Primärausbrüchen nur zu 4 Sekundärausbrüchen, d.h. der Übertragung des Virus aus einem erkrankten Betrieb durch Tierverkehr auf einen gesunden. Offenbar wird ASP erst dann hochansteckend, wenn Blut als Matrix vorhanden ist. In einem infizierten Bestand können Tiere sehr lange klinisch gesund bleiben, wenn sie keinen direkten Kontakt zum Blut erkrankter oder verendeter Tiere hatten. Auch wenn die Erkrankungsrate (Mortalität) somit relativ niedrig anzusetzen ist, ist die Sterblichkeit (Letalität) bei ASP sehr hoch, da praktisch jedes Tier an den Folgen der Infektion stirbt.


Folgen für die Bekämpfung
Die üblichen tierseuchenrechtlichen Maßnahmen, bestehend aus Standstill, Keulung seuchen- und ansteckungsverdächtiger Betriebe sowie Restriktionszonen, haben ihre Effizienz bewiesen, was die ASP-Bekämpfung bei Hausschweinen angeht.
Das eigentliche Problem stellen die als Erregerreservoir dienenden Wildschweine dar. In Polen wurde eine deutliche Korrelation zwischen dem regionalen Auftreten der Seuche und der lokalen Wildschweinedichte festgestellt. Dort, wo viele Wildschweine sind, ist natürlich das Infektionsrisiko untereinander sehr hoch einzuschätzen. Da die Kadaver sehr lange infektiös bleiben, haben die Aasfresser vermutlich auch genügend Zeit, um sich anzustecken. In Polen und im Baltikum hat sich zudem eine Kumulation von Ausbrüchen bei Hausschweinen gezeigt, wenn parallel in der Umgebung bereits infizierte Wildschweine gefunden worden waren.
Das Seuchengeschehen im Nordosten Europas unterstreicht die Wichtigkeit einer guten Biosicherheit für Hausschweinehaltungen. Der Schutz der gesamten Anlage inklusive der Futterlager vor dem Betreten durch Wildschweine sollte das primäre Ziel sein, genau wie eine strikte Trennung der Schwarz-Weiß-Bereiche durch Schuh- und Kleidungswechsel. Jagende Landwirte oder Waldbesitzer sollten immer an die Möglichkeit denken, dass sie draußen auch unbewusst Kontakt zu infektiösem Schweiß oder Fallwild haben könnten. Somit sollten alle Jagd- oder Arbeitsutensilien vom Schweinebestand ferngehalten und Aufbrüche, entgegen sonstiger Gewohnheiten, unschädlich entsorgt werden.
Seit den ersten Ausbrüchen 2014 informieren BMEL und FLI regelmäßig entlang der östlichen Landesgrenze mittels mehrsprachiger Plakate alle Reisenden über die Risiken der Einschleppung von ASP. Zudem gab es Schulungen für Vieh- und Fleischtransporteure zur Reinigung und Desinfektion der Fahrzeuge sowie Appelle an die Saisonarbeiter, Speisereste ordnungsgemäß zu entsorgen. Diese Maßnahmen müssen dringend weiter geführt werden, denn am Beispiel der Seuchenentwicklung in Polen ist erkennbar, wie schnell der Erreger aus dem Überwachungsgebiet hinausschlüpfen kann.
Das BMEL strebt außerdem den Aufbau eines Monitorings zur Früherkennung der ASP bei Wildschweinen an (Schweinepest-Monitoring-Verordnung), in dessen Rahmen verendete Wildschweine oder klinisch bzw. pathologisch-anatomisch auffällige Tiere auf ASP und KSP beprobt werden sollen.

Dr. Anja Rostalski
Fachabteilung Schweinegesundheitsdienst
TGD Bayern e.V.



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Wiederauftreten von Schmallenberg-Virus bedingten Missbildungen bei Kälbern in Bayern 2016

Datum: 16.12.2016   Autor: Dr. I. Lorenz

Schmallenberg-Virus (SBV) trat 2011 erstmals im deutsch-niederländischen Grenzgebiet auf und verbreitete sich rasch über weite Bereiche von Zentral- und Westeuropa. Im Gegensatz zum restlichen Bundesgebiet war Bayern von dieser ersten Infektionswelle in Sommer und Herbst 2011 kaum betroffen. Allerdings mehrten sich hier die Virusnachweise in Sommer und Herbst 2012, während zu dem Zeitpunkt das Geschehen, vermutlich aufgrund weitgehender Durchseuchung der Wiederkäuerbestände, in anderen Teilen Deutschlands bereits abgeflaut war.
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Blauzungenkrankheit BTV 4 in Venetien nähert sich Bayern

Datum: 22.11.2016   Autor: Dr. U. Domes, Dr. A. Randt

Das Blauzungenvirus vom Serotyp 4 hat sich in den vergangenen Jahren über die Balkanländer bis nach Österreich ausgebreitet. Entgegen der Erwartungen der Experten wurden 2016 keine Neuausbrüche in der Region Österreich mehr gemeldet. In den letzten Wochen sind aktuell in der Region Venetien in Norditalien völlig neue Fälle von BTV 4 Infektionen aufgetreten. Eine Ausbreitung des Virus nach Norden stellt ein erhöhtes Risiko für das Bundesland Tirol in Österreich und die angrenzenden Gebiete in Bayern und Baden – Württemberg dar.

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Klassische Geflügelpest: Information für Bayerische Geflügelhalter

Datum: 16.11.2016   Autor: Dr. H. Salisch

Am 12.11.2016 wurde in einem Geflügelzuchtbetrieb in Schleswig Holstein mit 30.000 Hennenplätzen eine Infektion mit H5N8-Virus festgestellt (Grumby). Die Tiere wurden am 13.-14.11.2016 getötet, um eine Ausbreitung der Tierseuche mit hochpathogenem aviärem Influenzavirus (HPAIV) zu verhindern. Zuvor wurde das Virus ab Ende Oktober bei Zugvögeln in der Küstenregion und später in mehreren Kleinbeständen und bei Wassergeflügel am Bodensee gefunden. Das Geflügel dieser Kleinbestände wurde ebenfalls tierschutzgerecht getötet. Zahlreiche Kreise in den Norddeutschen Bundesländern und in der Bodensee-Region haben umgehend zur Vermeidung einer Übertragung des Virus auf Wirtschaftsgeflügel Aufstallungsgebote (Stallpflicht) erlassen. Es gibt inzwischen Virusfunde bei tot am Starnberger See und Chiemsee gefundenem Wassergeflügel. Mit zahlreichen weiteren Nachweisen bei gefundenen Wildvögeln mit den entsprechenden regionalen Konsequenzen für Nutzgeflügel in Sperrbereichen und Beobachtungszonen ist bis zum Ende der kalten Monate zu rechnen.

Eine Gefahr für Verbraucher durch Geflügelfleisch oder Eier ist nicht gegeben, und über eine Übertragung dieses Subtyps auf Menschen ist aktuell nichts bekannt (Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR).

Gefährdet sind vor allem Hühner und Puten. Ziel muss es daher sein wie in den letzten Jahren auch die Verschleppung des Erregers in Wirtschaftsgeflügelbestände zu verhindern. Tagesaktuelle Informationen zum Seuchengeschehen sind auf den Internetseiten des Nationalen Referenzzentrum auf der Insel Riems, des bayerischen Umweltministeriums und der Geflügelverbände zu finden. Hier wird auch auf häufig gestellte Fragen zu dem Thema Geflügelpest eingegangen.

https://fli.de/­de/­aktuelles/­tierseuchengeschehen

http://www.bfr.bund.de/­de/­start.html

http://www.stmuv.bayern.de/­themen/­tiergesundheit_tierschutz

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Lumpy Skin Disease (LSD) – Die nächste Gefahr für Bayerns Rinder?

Datum: 05.08.2016   Autor: Dr. I. Lorenz

Die Lumpy Skin Disease ist eine Viruserkrankung der Rinder, die traditionell im Süden Afrikas vorkommt. Die Krankheit hat sich in den letzten fünf Jahren sehr effizient durch den Mittleren Osten bis nach Südosteuropa und Russland ausgebreitet. Kontrollmaßnahmen in den betroffenen Ländern sind bislang unterschiedlich erfolgreich.

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