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tiergesundheitsdienst bayern e.V.

Kompe­tenz und Erfah­rung in Tier­gesund­heit und Lebens­mittel­sicher­heit

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Das Wie, Wo, Was der Blauzungenimpfung

Datum: 27.06.2016   Autor: Dr. U. Domes

Im Jahr 2006 trat erstmals in Mitteleuropa die Blauzungenkrankheit bei Rindern und kleinen Wiederkäuern auf. In Deutschland konnte die Seuche auf Grund der schnellen Einführung der verpflichtenden Impfung in den Jahren 2007 und 2008 gestoppt werden. Seit dem November 2009 wurde kein Virus mehr nachgewiesen, deshalb gilt Deutschland ab dem 15.02.2012 als frei von BTV. Eine vorbeugende Impfung war somit untersagt.


Bereits im Winter 2015 war absehbar, dass sich zwei Unterarten (Serotypen) des Blauzungenvirus von Westen und Osten auf Bayern hin ausbreiten. Der Serotyp 8 aus Frankreich und der Serotyp 4 aus Österreich (siehe Karte). Die Experten der ständigen Impfkommission unterstrichen erneut, dass nur eine Impfung die Tiere vor einer Erkrankung schützt. Das Auftragen von pour on Repellentien bietet praktisch keinen Schutz.

Zu Beginn des Jahres 2016 stellte sich die Situation der Blauzungenerkrankung wie folgt da:

1. Deutschland ist frei von Blauzungenvirus
2. Es besteht ein Impfverbot
3. Die pharmazeutische Industrie produziert ohne gesetzliche Rahmenbedingungen keine Impfstoffe
4. Das Virus kommt immer näher an Deutschland heran.
5. Schaf- und Ziegenhalter fordern zügiges Handeln zum Schutz der Tierbestände

Daraus schlussfolgernd trafen sich Vertreter der Bayerischen Tierseuchenkasse, der zuständigen Ministerien und des Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. zu einem gemeinsamen Gespräch um den Gordischen Knoten zu zerschlagen. Nach Beantragung einer Ausnahmegenehmigung zur Einfuhr und Einsatz des Blauzungenimpfstoffes konnte sehr schnell die Grundlage für eine erfolgreiche Impfung gegen die Blauzungenkrankheit gelegt werden.
Seit dem 7. Mai 2016 ist nach dem Zustimmen der zuständigen Behörde eine freiwillige Impfung erlaubt. Die meisten Veterinärämter haben inzwischen eine Allgemeinverfügung herausgegeben, das heißt, dass in dem jeweiligen Landkreis eine Impfung von Rindern, Schafen und Ziegen durch den Tierarzt erlaubt ist. In den meisten Allgemeinverfügungen steht, dass der Tierhalter 7 Tagen nach der Impfung diese in die HIT Datenbank eintragen muss, dies erfolgt bestandsbezogen für Schafe und Ziegen und einzeltierbezogen für Rinder (Nummer des Impftierarztes eintragen).
Der vom Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. frühzeitig bestellte Impfstoff ist inzwischen fast komplett verimpft.
Von drei pharmazeutischen Unternehmen (Merial, MSD, Zoetis) wurden für Anfang bis Mitte Juli ein für den deutschen Markt zugelassener Impfstoff zugesagt. Dieser kann dann von den praktischen Tierärzten direkt bestellt werden.

Leider gibt es zur Zeit noch keinen Impfstoff, in dem beide Serotypen 4 und 8 enthalten sind, dieser wird eventuell Ende 2016 verfügbar sein. Im Moment muss man noch mit separaten Impfstoffen gegen BTV 4 und BTV 8 impfen, dies wird jedoch meist am gleichen Tag durchgeführt, Nebenwirkungen wurden bis jetzt nur sehr geringe beobachtet. Nach ca. 3 Wochen muss die Impfung wiederholt werden, um eine Grundimmunisierung zu erreichen. (Nur der Merial BTV 4 Impfstoff ist bei Schafen ein Oneshot Präparat)
Eine häufige Frage ist, welcher der beiden Serotypen als erstes in eine bestimmte Region auftritt. Dies hängt natürlich viel von der Witterung und der Windverhältnissen ab. Gerade bei feuchtwarmem Wetter und in den Überschwemmungsgebieten können sich die stechenden Insekten (Gnitzen), die den Virus übertragen, schnell vermehren. Es ist anzunehmen, dass im Westen der BTV 8 zuerst eintritt. In Baden Württemberg wurde zwar geimpft, aber erst ein Teil der Tiere, so wird das Ausbreiten wohl verlangsamt, aber nicht gestoppt. Im Osten wird wohl erst der BTV 4 auftreten und in der Mitte von Bayern wurde zumeist gegen beide Serotypen geimpft.

Pro Impfung und pro Serotyp erhalten Rinder und Schafe einen Zuschuss von der Tierseuchenkasse von 1€ bzw. 0,25€ (www.btsk.de). Der Zuschuss wird vom Tierarzt bei der Tierseuchenkasse beantragt und diesem ausbezahlt, er stellt somit dem Landwirt eine um den jeweiligen Betrag reduzierte Rechnung. Ziegen bekommen keinen Zuschuss und der Impfstoff ist nicht auf sie zugelassen, kann aber vom Tierarzt umgewidmet werden. Laut den veröffentlichten Daten scheinen Ziegen für den Serotyp 4 anfällig zu sein, hier wurden vermehrt Fälle in den Balkanstaaten gemeldet. Bei dem Serotyp 8 in Frankreich wurde kein Ziegenbetrieb gemeldet, sondern vermehrt Rinder und vereinzelt Schafe.